Drei zufällig ausgewählte Gedichte aus dem Opus

Verreisen

Du sitzst in Zug und fährst dahin.
Du fühlst dich stark wie Alladin.
Du glaubst: Erreicht man ein Bestimmungsort:
Erfühlen sich die Wünsche dort.

Doch wenn's nicht klappt, so fährst du fort.
Vielleicht erreichst du einen anderen Ort…
Man zwingt dich eine Weile, weiterhin zu träumen,
Und immer wieder deinen Sitzplatz aufzuräumen.

Doch wenn das neue Ort dir doch nicht gefällt,
So suchst du deine Nische ferner in der Welt.
Du reist und hetzst,
Dann hast du Zweifel… Du bist verletzt.

Allmählich hasst du deine Welt,
Und wenn du nicht gleich einem Hund sein willst, der ständig bellt,
So schließt du dich im Zimmer ein
Und lässt das Reisen einfach sein.

These, Antithese, Synthese

Ihr Gott, Ihr Ideal und Ihre Freiheit.
Ihr Lebensinhalt und Ihr Glück.
Ihr Job, Ihr Recht und Ihre Opfer
Und schließlich Ihre Pflicht und Ihre Konfession.

Mein Gott, mein Ideal und meine Freiheit.
Mein Lebensinhalt und mein Glück.
Mein Job, mein Recht, mein Opfer
Und auch meine Pflicht und meine Konfession.

So… Diese Übersicht ist keine bloße Wortäquilibristik,
Ist keine oberflächige feldforschende Sophistik.
Wir wollen hier Anwendung finden für die tiefergreifende Heuristik…

Betrachtet man für sich allein die Komponente,
So handelt es sich — augenscheinlich — um Äquivalente.
Doch — blickt man in die Tiefe — sind es Kontroversen.

Die Parallelen sind zwar da, doch ähneln sich die Possessionen
Nicht der Verwandtschaft, sondern deren chiastischer Kombinationen:
Verschieden sind Konnotationen und Visionen.

Zum Beispiel so: Ihr Glück ist Ihre Pflicht.
Ihr Lebensinhalt ist Ihr Job.
Mein Glück ist meine Freiheit.
Mein Lebenssinn ist meine Konfession.

Noch besser so: Ihr Opfer ist mein Gott.
Mein Ideal ist Ihre Freiheit.
Ihr Recht ist meine Pflicht.
Und ihre Götter ist mein Opfer.

Die Jagd

Verschlossen ist der Raum.
Die Jagd ist angekündigt.
Die Jäger lauern und wittern hinter jedem Baum.
Und jeder Hund ist seines Herrchens würdig.

Du lässt die ersten Türen für dich öffnen.
Nun hat die Jagd begonnen.
Du wirst die weit'ren Türen rammen müssen, immer öfter,
So hoffnungsvoll und so am Ende nichts gewonnen.

Und wenn du starke Beine hast,
So wirst du eine Weile lang deinen Verfolgern noch entfliehen.
In diesem Rennen hegen deine Jäger keine Hast.
Ein bisschen Zeit wird dir großzügig gern geliehen.

Erreichst du zwischendurch ein Zufluchtsort,
So wird man dich sofort von da verlangen.
Wo du zur Ruhe kommen könntest, ist kein fester Ort.
Wo auch immer du grade bist, bist du darin gefangen.

Und wenn du dieses Rennen aufgibst,
So hast du diese Jagdsaison verloren.
Du bleibst dein ganzes Leben in dem gleichen Raum stecken, bist du stirbst,
Und hast durch deine Lauferei lediglich die Nachbarschaft verworren.

Wenn du dein Zwischenziel dennoch erreichst,
So musst du gleich darauf weiter rennen.
Ein neues Ziel wird dir prompt überreicht.
Du willst doch deine Chancen nicht verpennen?