Drei zufällig ausgewählte Gedichte aus dem Opus

These, Antithese, Synthese

Ihr Gott, Ihr Ideal und Ihre Freiheit.
Ihr Lebensinhalt und Ihr Glück.
Ihr Job, Ihr Recht und Ihre Opfer
Und schließlich Ihre Pflicht und Ihre Konfession.

Mein Gott, mein Ideal und meine Freiheit.
Mein Lebensinhalt und mein Glück.
Mein Job, mein Recht, mein Opfer
Und auch meine Pflicht und meine Konfession.

So… Diese Übersicht ist keine bloße Wortäquilibristik,
Ist keine oberflächige feldforschende Sophistik.
Wir wollen hier Anwendung finden für die tiefergreifende Heuristik…

Betrachtet man für sich allein die Komponente,
So handelt es sich — augenscheinlich — um Äquivalente.
Doch — blickt man in die Tiefe — sind es Kontroversen.

Die Parallelen sind zwar da, doch ähneln sich die Possessionen
Nicht der Verwandtschaft, sondern deren chiastischer Kombinationen:
Verschieden sind Konnotationen und Visionen.

Zum Beispiel so: Ihr Glück ist Ihre Pflicht.
Ihr Lebensinhalt ist Ihr Job.
Mein Glück ist meine Freiheit.
Mein Lebenssinn ist meine Konfession.

Noch besser so: Ihr Opfer ist mein Gott.
Mein Ideal ist Ihre Freiheit.
Ihr Recht ist meine Pflicht.
Und ihre Götter ist mein Opfer.

Tod in der Wüste

Du schmeckst den Sandstaub zwischen deinen Zähnen.
Die Zunge trocknet in dem Mund.
Du spürst die Haut, umhüllt von einer Feuermähne,
Und keinen unter deinen Füssen festen Grund.

Gott Re dreht seine Runden in dem Himmel.
In seinem Schleppkahn schaukelt ein Sarg.
Du hörst respektvolle halbstumme Stimmen.
Sie weinen und bereiten deinen Katafalk.

Eine Fata Morgana stoßt dich in die Virtualität.
Delphine spielen auf deinem nassen Bauch.
Das Wasser ist die einzige Mentalität,
Ein plätschernd kühler nasser Hauch.

Der blaue Wal begleitet dich zum Ozean.
Die Wassernymphe streichelt deine Brust.
Auf deinen Lippen liegt ein Schwamm.
Du näherst dich gefährlich deiner Freudenlust…

Die Wüste blickt gelangweilt auf die Leiche.
Die Leiche wird verschüttet und verbrannt.
Eine Tarantel baut ein Versteck, um in den Schatten zu entweichen.
Der Stress und das Getümmel sind ihr nicht bekannt.

Der Tag

Ein Tag bricht an. Er ist schon da.
Sein Anbeginn ist ein Fauxpas.
Soll ich ihn etwa ignorieren,
Und meinen Job spontan quittieren.

Ich mache diesen Tag, wie immer, langsam kalt
Mit widerwilliger und trotziger Gewalt.
Ich wart' darauf, dass er einfach aufhört
Und dass er insbesond're nachts mich nicht mehr stört.

Gehört der Tag zu mir? Gehöre ich zu ihm?
Dann ist die Lage noch prekärer, richtig richtig schlimm.
Ich möchte diese Bürde nicht alleine auf mich nehmen.
Ich werde irgendwas dagegen unternehmen.